intern – Zeitung für die MitarbeiterInnen der Universität BaselNr. 15, Februar 2005

Tuesday, February 22nd, 2005

Georg Halter
Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Erstmals in der Schweiz werden in Basel systematisch Kooperationen zwischen der Universität, der Fachhochschule und der Industrie gefördert. Mit dem Projekt Innovation by Double Scouting (IDS) sollen Innovationen aus der Forschung schneller auf den Markt kommen und dazu beitragen, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Nach einem Jahr IDS gibt es bereits erste zukunftsträchtige Kooperationen.

Medizin und Kunst haben auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun. Und doch forschen seit Mitte 2004 Mediziner und Künstler gemeinsam in den Räumen des alten Basler Frauenspitals – im multidisziplinären Hightech-Forschungs-Zentrum der Kiefer- und Gesichtschirurgie Basel. Denn der Gesichtschirurg und der Bildhauer machen eigentlich dasselbe. Sie formen, sie erschaffen Gesichter.

aus:

http://www.unibas.ch/index.cfm?5EAF4D84F5691A638911EAABC5F21D5A


Erstmals in der Schweiz werden in Basel systematisch Kooperationen zwischen der Universität, der Fachhochschule und der Industrie gefördert. Mit dem Projekt Innovation by Double Scouting (IDS) sollen Innovationen aus der Forschung schneller auf den Markt kommen und dazu beitragen, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Nach einem Jahr IDS gibt es bereits erste zukunftsträchtige Kooperationen.

Medizin und Kunst haben auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun. Und doch forschen seit Mitte 2004 Mediziner und Künstler gemeinsam in den Räumen des alten Basler Frauenspitals – im multidisziplinären Hightech-Forschungs-Zentrum der Kiefer- und Gesichtschirurgie Basel. Denn der Gesichtschirurg und der Bildhauer machen eigentlich dasselbe. Sie formen, sie erschaffen Gesichter. Dass diese beiden fernen und doch nahen Forschungswelten zusammengefunden haben, ist das Verdienst von Dr. Brigitte Schneider und Dr. Rudolf Pfluger. Seit einem Jahr bauen sie gemeinsam Brücken zwischen der Universität Basel und den Fachhochschulen Nordwestschweiz – also der Fachhochschule beider Basel, der Fachhochschule Aargau und der Fachhochschule Solothurn. Im Rahmen des Projekts Innovation by Double Scouting (IDS) ermitteln sie an beiden Hochschulinstitutionen Innovationspotentiale, organisieren Kooperationen und begleiten gemeinsame Projekte, welche daraus entstehen. Aus Ideen sollen dadurch schneller als bisher vermarktbare Produkte und Dienstleistungen entstehen. Denn letztlich ist das Ziel von IDS die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Systematisches Scouting
Dass Forschende aus der Universität und der Fachhochschule zusammenarbeiten, ist nicht neu. Eine Schweizer Premiere ist jedoch, dass diese Zusammenarbeit auf eine systematische Basis gestellt wird. Dem Ansatz von IDS liegt zum einen die Erkenntnis zugrunde, dass sich die Kompetenzen von Universität und Fachhochschule komplementär ergänzen. Während die Universität in der Regel Grundlagenforschung betreibt, ist die Fachhochschule anwendungsorientiert. Ausserdem hat die Erfahrung gezeigt, dass die blosse Existenz von Datenbanken nur selten zu Kooperationen zwischen den Forschenden an Universität und Fachhochschule sowie der Wirtschaft führt. Darum brauche es professionelle und systematische Vermittler, sagen Brigitte Schneider und Rudolf Pfluger. Ein Schlüsselbegriff im IDS-Prozess heisst «Scouting» – ein Konzept, das am ehesten aus dem Sport bekannt ist, wo Talentspäher (zum Beispiel eines Fussballclubs) um die ganze Welt reisen, um junge Spieler mit aussergewöhnlichem Potential aufzuspüren.

Nanoscale und Life Sciences
Die Innovationsscouts Brigitte Schneider und Rudolf Pfluger begannen ihre systematische Suche nach Innovationspotential an der Universität Basel vor einem Jahr mit einem Top-Down-Prozess, indem sie ihr Projekt an der Universität den Fakultäten, den Dekanen und schliesslich den Institutsvorstehern vorstellten – und ebenso an der Fachhochschule den Departements- und Institutsvorstehern. Im ersten Jahr von Innovation by Double Scouting, 2004, wurden sämtliche Fakultäten der Universität Basel und alle Departemente der Fachhochschule beider Basel einbezogen. Vom neuen Jahr an wird sich IDS hauptsächlich auf die Life Sciences und die Nanowissenschaften konzentrieren: «In diesen Bereichen ist das wirtschaftliche Potential am grössten», so Rudolf Pfluger. Und es handelt sich um zwei Forschungsgebiete, in denen die Universität Basel und die Fachhochschule Nordwestschweiz Schwerpunkte setzen, unter anderem durch das im Aufbau befindliche ETH-Zentrum für Systembiologie sowie durch den Nationalen Forschungsschwerpunkt Nanowissenschaften unter Professor Hans-Joachim Güntherodt. Verstärkt soll jetzt auch die Wirtschaft in den Scouting-Prozess einbezogen werden. Über Handelskammern und Gewerbeverbände will das IDSTeam herausfinden, wo vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ein Bedarf an Innovationen aus der Forschung besteht. Gerade bei diesem Unterfangen kommt der berufliche Hintergrund der beiden Innovationsscouts zum Tragen. Der promovierte Chemiker Rudolf Pfluger verfügt über zwanzig Jahre Erfahrung im Industriemanagement, unter anderem bei Novartis und Syngenta. Die promovierte Biologin Brigitte Schneider blickt auf eine mehrjährige Industrieerfahrung im Bereich der Medizin und Diagnostik zurück.

Knappes Finanzkorsett
Damit Brigitte Schneider und Rudolf Pfluger ihre Pläne verwirklichen können, muss allerdings noch die Finanzierung abgesichert werden. Die knappen Finanzkorsette von Universität und Fachhochschule bedingen, dass solche Projekte aus externen Quellen gedeckt werden. Aufgrund der erzielten Resultate stehen die Chancen gut, dass die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) das Projekt auch weiterhin zumindest teilweise finanziert. Schneider und Pfluger hoffen, dass IDS finanziell derart ausgestattet wird, dass in Zukunft auch eine Anschubfinanzierung für neue Projekte möglich ist. Denn die Projekte von IDS stecken normalerweise in einer Phase, in der es kaum Geld gibt. Der schweizerische Nationalfonds unterstützt sie nicht, weil es sich nicht mehr ausschliesslich um Grundlagenforschungsprojekte handelt, und die nationale Förderagentur für Innovation KTI steuert in der Regel erst etwas bei, wenn die Projekte auf dem Weg zur Anwendung weiter fortgeschritten sind und ein Drittpartner aus der Wirtschaft mitmacht.

Gut gefülltes Portefeuille
Die Bilanz nach einem Jahr IDS kann sich sehen lassen. Im Portefeuille von Brigitte Schneider und Rudolf Pfluger befinden sich bereits zwei Dutzend Projekte. Ein Grossteil davon steckt erst im Anfangsstadium, ein anderer Teil hat bereits zu konkreten Kooperationen wie Semesterarbeiten oder Arbeitskreisen geführt, und bei einigen Projekten sind Vertragsabschlüsse in Vorbereitung. Konkrete Formen nimmt neben der erwähnten Zusammenarbeit von Medizinern und Künstlern auch ein Telemedizin-Projekt an. Fernziel ist der Aufbau eines entsprechenden Kompetenzzentrums an der Universität Basel. Erste Kooperationspartner sind das Institut für Pathologie und der Telekommunikationsbereich aus der Elektroabteilung der FHBB. «Es geht um eine neue Anwendung einer Technologie, welche den weltweiten Austausch von Patienteninformationen – unabhängig vom aktuellen Standort – in Form von Bildern zu diagnostischen und therapeutischen Analysen ermöglicht», erklärt Rudolf Pfluger. Ein Arzt in Afrika könnte nach der Identifizierung eines Tumors um eine Gewebeuntersuchung durch ein Expertenteam (zum Beispiel am Universitätsspital Basel) bitten, um damit zu einer sicheren Diagnose zu kommen. Angedacht ist zudem eine Datenbank, welche Ärzten zur Qualitätssicherung dienen könnte. An Interessenten würde es übrigens nicht fehlen. Die Basler Pathologie wurde zum Beispiel bereits vom National Referral Hospital in Honiara auf den südpazifischen Solomon Islands kontaktiert, welches über keinen eigenen Pathologen verfügt.

Glossar

IDS: Innovation by Double Scouting. Gemeinsame Initiative der Universität Basel und der Fachhochschule beider Basel Nordwestschweiz, die durch diese beiden Institutionen getragen sowie durch den Bund gefördert wird. IDS sucht nach möglichen Projekten, lokalisiert systematisch Innovationspotentiale und Kooperationsmöglichkeiten in Universität und Fachhochschule sowie im Markt. IDS evaluiert Projekte, entwickelt sie weiter und betreut sie, bis hin zur Unterstützung bei der Mittelbeschaffung.

KTI: Kommission für Technologie und Innovation. Nationale Förderagentur im Bundesamt für Berufsbildung und Technologie.

KTI fördert Kooperationsprojekte zwischen einem Unternehmen und einer Forschungsinstitution, welche kurz bis mittelfristig realisierbar sind. Mindestens 50 Prozent der Projektkosten müssen vom Wirtschaftspartner übernommen werden.

WWT: Wissens- und Technologietransfer Universität Basel und der Fachhochschule beider Basel (FHBB). Hilft nach der Ausarbeitung von Projekten bei Verträgen, Schutz von geistigem Eigentum, Vermarktung und Firmengründung.

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